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Market Timing - Vergiss es

Market Timing ist eine Strategie, bei der Anleger versuchen, den richtigen Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu erwischen, um von den Schwankungen des Marktes zu profitieren. Diese Strategie kann sowohl für Aktien als auch für andere Anlageformen wie Anleihen, Devisen oder Rohstoffe angewendet werden.


Die Idee hinter der Market-Timing-Strategie ist, dass es Zeiten gibt, in denen der Markt überbewertet ist und Zeiten, in denen er unterbewertet ist. Indem man in den Märkten ein- und aussteigt, kann man angeblich von den höheren Kursen profitieren, wenn der Markt überbewertet ist, und vor den niedrigeren Kursen flüchten, wenn der Markt unterbewertet ist. Ist diese Strategie für einen unerfahrenen Investor passend? Schauen wir mal die Geschichte von Mr. Money an.


Die Börse befindet sich im Aufwärtstrend. Mr. Money erinnert sich aber noch gut an den Crash in den 80er Jahren. Also entscheidet er sich zuerst einmal abzuwarten, zu schmerzhaft ist die Erinnerung an den Crash. Der Aufwärtstrend scheint sich jetzt zu etablieren. Mr. Money stellt fest, dass er einiges an Gewinnen verpasst hat und wird ungeduldig. Er hat immer mehr Bedenken, etwas zu verpassen. Die Schlagzeilen in den Medien häufen sich: Der Markt boomt, Aktiensparen beginnt sich zu etablieren. So jetzt sieht es Mr. Money ganz genau und entscheidet sich einzusteigen. Und der Trend gibt ihm recht. Stolz erzählt er am Stammtisch, dass jetzt ein Finanzinvestor ist und freut sich über satte Gewinne. Dann beginnt der Markt zu kehren. Aber dies ist kein Problem für Mr. Money. Er ist ja Finanzinvestor und diese investieren langfristig. Also Parole „Durchhalten“ ist angesagt. Die Schlagzeilen häufen sich: Der Dow Jones hat schon 30% verloren. Beim SMI mit einem minus von 25% sieht es nicht besser aus. Leute haben viel Geld verloren. Geht dies so weiter? Panik macht sich breit.


So jetzt ist es genug für Mr. Money. Seit dem Höhepunkt ist auch er 40% im Minus. Wenn es so weitergeht, hat er bald die Hälfte des Vermögens verloren. Mr. Money entscheidet sich zu verkaufen. Und er sieht sich in seiner Handlung bestätigt. Die Börse fällt weiter. Stolz erzählt er am Stammtisch, dass er gewusst habe, dass der Crash weitergeht und ist überglücklich, dass er nicht mehr investiert ist. Er hat vom Investieren die Nase voll und der Markt ändert sich wieder. Diesmal geht’s wieder aufwärts. Der Markt ist in der Zwischenzeit 20% nach oben geklettert. Soll der Markt doch machen was er will. Ich habe mir schon mal die Finger verbrannt, denkt sich Mr. Money. Ich warte mal ab. Und der Markt geht nochmals 30% hoch. Die Schlagzeilen häufen sich: Leute machen Millionen an der Börse. Mr. Money will nichts mehr verpassen und er steigt wieder ein. Und so geht die Geschichte von Mr. Money weiter. Schauen wir uns doch mal an, was er effektiv an der Börse verdient hat.

Mr. Money ist bei ca. 5200 Punkten eingestiegen und ist auch bei ca. 5200 Punkten wieder raus (rote Linie). Na ja, zumindest kein Verlust gemacht. Das stimmt leider nicht. Erstens hätte er das Geld auf ein Sparkonto legen können und zweitens hat er Transaktionskosten und Depotgebühren bezahlt. Transaktionskosten zwischen 1.5% und 3% sind durchaus üblich. Diese fallen beim Kauf und Verkauf von Aktien an. Schauen wir uns den zweiten Einstieg an. Er ist bei ca. 8000 Punkte eingestiegen und seine Nerven lagen bei ca. 6000 Punkten blank und er hat alles verkauft (rote Linie). Hier hätte er also einen Verlust erzielt.


Wäre er einfach in den 90er Jahren im Aktienmarkt eingestiegen, hätte sich schlafen gelegt und wäre in 2008 wieder aufgewacht, hätte das Ganze einiges besser ausgesehen. Einstieg bei ca. 2400 Punkten und er wäre jetzt bei ca. 7000 Punkten. Er hätte sein Kapital fast verdreifacht (blaue Linie). Das ist die Buy-and-Hold-Strategie.


Ein häufiges Problem bei der Anwendung der Market-Timing-Strategie ist es also, dass es schwierig ist, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg oder Ausstieg aus dem Markt vorherzusagen. Oftmals sind die Anzeichen für einen überbewerteten oder unterbewerteten Markt erst im Nachhinein erkennbar. Viele Anleger, die versuchen, den Markt zu timen, verpassen die besten Zeitpunkte für den Einstieg oder Ausstieg und erleiden dadurch Verluste. Ein weiteres Problem ist, dass die Market-Timing-Strategie oft mit hohen Transaktionskosten verbunden ist. Jeder Kauf und Verkauf von Finanzinstrumenten führt zu Gebühren und Steuern, die die Rendite schmälern können. Dies kann besonders problematisch sein, wenn man häufig in den Markt ein- und aussteigt.


Fazit: Die Buy-and-Hold-Strategie basiert auf der Annahme, dass die Finanzmärkte langfristig steigen und dass es sich lohnt, in gute Unternehmen und Branchen zu investieren und diese über einen längeren Zeitraum zu halten. Dieser Ansatz ist besonders geeignet für Anleger, die eine langfristige Perspektive haben und keine Angst vor kurzfristigen Schwankungen des Marktes haben. Es ist ratsam, eine langfristige Anlagestrategie zu verfolgen und sich auf eine breit diversifizierte Portfolio zu konzentrieren, anstatt auf den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg oder Ausstieg zu spekulieren.



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